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Technische Einbettung moderner KI-Anwendungen

Welche IT-Ressourcen braucht produktive KI wirklich? Von der Begriffsklärung über Regelwerke und Modellauswahl bis zur GPU-Dimensionierung und Integration per MCP, API und A2A — der technische Leitfaden für den Mittelstand.

Ein Vortrag von David Kempe, CEO & Head of IT & Finance, Sellium GmbH

begriffe

Machine Learning oder generative KI? Anforderungen definieren

Künstliche Intelligenz
Der Oberbegriff für Systeme, die menschliche Intelligenz nachahmen — von der einfachen Regelverarbeitung bis zur komplexen Mustererkennung.
Machine Learning
Computer lernen selbstständig, aus Daten Muster zu erkennen und Vorhersagen zu treffen — ohne explizit dafür programmiert zu werden.
Deep Learning
Eine spezielle Form des Machine Learnings mit künstlichen neuronalen Netzen, die in mehreren Schichten komplexe Zusammenhänge erkennen.
Generative KI
Die aktuellste Form der KI, die basierend auf gelernten Mustern neue Inhalte wie Texte, Bilder oder Code selbstständig erstellt.

technische basis

IT-Ressourcen als Schlüssel zum Erfolg

Infrastruktur

  • On premise, Cloud oder hybrid
  • Cloudanbieter am besten in der Region
  • KI extern, Agent intern?

Datenmanagement

  • Datenqualität und -verfügbarkeit
  • Strukturierte Datenpipelines
  • DSGVO-konforme Speicherung und Verarbeitung

Sicherheit

  • Datensouveränität gewährleisten
  • Zugriffskontrollen und Authentifizierung
  • Cybersecurity: Prompt Injection, Data Poisoning, Schatten-KI
  • Compliance: EU AI Act, ISO 42001

Integration

  • API-Schnittstellen zu bestehenden Systemen
  • Kompatibilität mit der vorhandenen Software-Landschaft

Personal

  • Interne IT-Kompetenzen aufbauen oder extern einkaufen
  • Klare Verantwortlichkeiten definieren

regelwerke & governance

Leitplanken für den KI-Einsatz

Infrastrukturanforderungen kommen nicht nur aus der Technologie selbst, sondern auch aus der Normung. ISO/IEC TR 24028 gibt Hilfestellung für Implementierung und Betrieb von KI-Systemen: Wartung, Anpassung, Bias-Reduktion und unerwartetes Verhalten.

EU AI Act

Risikobasierte Anforderungen für KI-Systeme

DSGVO

Zentrale Rolle bei personenbezogenen Daten

ISO/IEC 42001

Managementsystem für KI — vergleichbar mit ISO 27001

ISO/IEC 22989

Begriffe & Konzepte von KI — stellt gemeinsame Sprache sicher

ISO/IEC 23053

Rahmenwerk für KI-System-Lebenszyklen

ISO/IEC TR 24028

Vertrauen & Robustheit in KI-Systemen

ISO/IEC 38507

IT-Governance mit KI

DIN SPEC 92001

Deutsche Normenreihe zu KI — Grundlagen, Robustheit, Vertrauen

Cloud Act

US-Zugriffsrechte — relevant bei der Anbieterwahl

Branchenregeln

Automotive, Medizin, Informationssicherheit, Qualitätsmanagement

prozessspezifische lösungen

Was nach ChatGPT kommt

Drei Ausbaustufen mit steigender Komplexität — vom einzelnen Modell bis zum autonomen Agenten.

KI-Modell

Eine Aufgabe, Input → Output

  • Meistens ein vortrainiertes Modell
  • Wissensanreicherung über Wissensdatenbank und/oder Websuche
  • Kann keine bis semi-komplexe Arbeitsabläufe automatisiert durchführen

KI-Workflows

Mehrere Schritte + Tools

  • Statischer, vordefinierter Prozess, der KI zur Automatisierung nutzt
  • Meistens durch Trigger ausgelöst
  • Die einzelnen Schritte und Module definiert ein Mensch

KI-Agenten

Autonom, trifft Entscheidungen

  • Autonome Einheiten mit Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit
  • Nutzt meistens das ReAct-Framework: Reason + Act
  • Führt komplexe Aufgaben selbstständig aus und bestimmt den Workflow selbst
  • Durch komplexe, iterative Aufrufe in der Praxis sehr teuer

Komplexität →

Bei KI-Agenten stellen sich vorab vier Fragen: Mandantentrennung? Middleware? Framework für die Orchestrierung? Welches KI-Modell? Die Auswahl des richtigen Modells und der richtigen Tools ist für maximale Leistung unerlässlich — Benchmarking hilft, z. B. SWE-bench Verified. Jedes LLM hat eigene Vorteile und Stärken.

skalieren mit strategie

Die Kunst, das richtige Maß zu finden

LLM Large Language Model

  • Milliarden von Parametern (z. B. Claude 3: ca. 175 Milliarden)
  • Extrem leistungsfähig, löst komplexe Aufgaben
  • Längere Kontextfenster (100k+ Tokens) für komplexe Strukturen
  • Hoher Ressourcenbedarf

SLM Small Language Model

  • Weniger Parameter (meist 1–10 Milliarden)
  • Schneller, günstiger, ressourcenschonender
  • Weniger abstraktes Denken, höhere Halluzinationsrate bei komplexen Aufgaben
  • Gute Performance bei klar abgegrenzten Tätigkeiten

Der Token

Tokens sind die kleinsten Einheiten, mit denen KI-Modelle Text verarbeiten — häufig vorkommende Textbausteine statt ganzer Wörter. Häufige Wörter („und", „der", „die") sind ein Token; Zahlen und Sonderzeichen eigene Tokens. Tokens bestimmen die Kosten (Abrechnung nach Input und Output) und beeinflussen das Kontextfenster. Faustregel: 1 Token ≈ 0,75 Wörter im Deutschen.

JSON & TOON

Strukturierte Formate verwenden und auf Token-Ersparnis achten, um Kosten zu minimieren — im Beispiel des Vortrags sparte das TOON-Format gegenüber JSON 57 % der Tokens.

inferenz

Modell- und GPU-Erfordernisse

Cloud-GPU oder on premise? Wie viel VRAM wird benötigt, welche Karte bietet die beste Preis-Leistung, lohnt ein Multi-GPU-Setup — und wie hoch sind Stromverbrauch und Kühlbedarf? Dazu die Zukunftsfrage: Welche GPU-Generation trägt die nächsten drei Jahre?

GPU-Vergleich für KI-Inferenz (Quelle: Hersteller Nvidia)
SpezifikationL4L40SRTX PRO 6000A100 (80 GB)H100 (80 GB)
CUDA-Cores7.42418.17624.0646.91216.896
VRAM24 GB GDDR648 GB GDDR696 GB GDDR780 GB HBM2e80 GB HBM3
Bandbreite300 GB/s864 GB/s1.792 GB/s2.039 GB/s3.350 GB/s
TDP72 W350 W600 W400 W700 W (SXM)
Kaufpreis (ca.)~2.300 €~6.500–9.000 €~7.800–10.000 €~14.000–18.000 €~23.000–37.000 €

nahtlose integration

MCP, API und A2A

Model Context Protocol (MCP)

Standard für strukturierte Tool-Integration in KI-Systeme → KI greift auf Datenbanken, APIs und Tools für lokale Prozesse zu.

API

Klassische Schnittstelle für Software-zu-Software-Kommunikation → REST/GraphQL-Endpunkte für strukturierte Daten (JSON, TOON).

Agent-to-Agent (A2A)

Standard für Kommunikation zwischen autonomen KI-Agenten → Multi-Agent-Systeme mit verteilter Intelligenz.

feedback einbauen

Anhand des Nutzerfeedbacks lernen

  1. Nutzer-Interaktion

    KI liefert Antworten und Lösungen

  2. Feedback sammeln

    Bewertungen, Korrekturen, Präferenzen

  3. Anpassung

    KI richtet Antworten am Feedback aus

Werkzeuge dafür: Memory Function, Fine-Tuning mit neu gewonnenen Daten, A/B-Testing, Human in the Loop (HITL) und Feedbackschleifen im Chatverlauf, die in eine Datenbank fließen.

skalieren

Vom Prototyp zum produktionsreifen System

  1. Prototyp

    Ggf. Proof of Concept (PoC), Erzeugung einer einfachen Version (MVP), erste Tests, schnelle Iteration durch Kundenfeedback.

  2. Pilotierung

    Begrenzte Nutzerbasis, Performance-Optimierung, Feedback-Integration, ROI messen.

  3. Produktion

    Vollständiger Rollout, Monitoring & Wartung, kontinuierliche Verbesserung (CI/CD).

erkenntnisse

Was haben wir gelernt?

Die richtige Modellgröße entscheidet

… SLMs für spezifische Aufgaben sind oft effizienter und günstiger als überdimensionierte LLMs.

95 % der KI-Pilotprojekte scheitern

… Erfolg braucht mehr als nur Technologie: klare Strategie, richtige IT-Ressourcen und Governance.

Hardware richtig dimensionieren

… Cloud vs. on premise und die GPU-Auswahl bestimmen Skalierbarkeit und Kosteneffizienz.

KI-Agenten sind die Zukunft

… autonome Systeme, die selbstständig Entscheidungen treffen, ermöglichen echte Prozessautomation im Mittelstand.

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